Die stattliche Zahl imponiert: rund 1,8 Millionen Bundesbürger singen, mehr oder weniger regelmäßig, in Chören. Das reicht vom Kinderchor über den Männergesangverein bis hin zum anspruchsvollen Konzert- oder Kammerchor. Ein Heer qualifizierter Leiter für die rund 60.000 Chöre ist mehr oder weniger ständig damit beschäftigt, geeignete Literatur für seinen Chor zu finden. Bei der Vielfalt des Angebotes ist das eine wahre Sisyphusarbeit, deren Ergebnis oft genug vom Zufall abhängt. Über 2.000 Musikverlage offerieren ein kaum überschaubares Angebot an Chorliteratur. Dazu kommen unzähligen Komponisten, die Ihre Elaborate selbst vertreiben, Werke, die lange vergriffen sind und nur noch in den Archiven der Verlage existieren, wodurch sie für die Außenwelt meist verloren sind. Eine große Schaar „Privatverleger“ und Amateure überschwemmt neuerdings das Internet mit Heimwerker-Ausgaben - oft zweifelhafter Authentizität, weil ohne Lektorat und ohne wissenschaftliche Kompetenz schnell mal irgendwo abgeschrieben - oder verziert Werke alter Meister mit ihren eigenen musikpraktischen Vorstellungen zum kostenlosen Download und Selbstdruck. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Gibt es einen brauchbaren Weg für den geplagten Chorleiter, die »richtige Musik« für seinen Chor zu finden?

historie1Gottlob, es gibt ihn tatsächlich! Manfred Bender, Gründer und Leiter des »Deutschen Centrums für Chormusik« zeigt überzeugend einen praktikablen Weg auf. In den verwinkelten Gassen des romantischen Lahnstädtchens Limburg, im Schatten des hoch aufragenden, mächtigen Domes, findet der interessierte Chorleiter eine Institution, die weltweit ihresgleichen sucht. Auf einer Fläche von 400 Quadratmetern, verteilt über mehrere Stockwerke, geordnet nach einem außergewöhnlich übersichtlichen System hat Bender rund 300.000 Chorwerke im steten Zugriff. Das breit gefächerte Angebot reicht vom schlichten Volkslied bis zum Oratorium und umfaßt nicht nur den deutschsprachigen Raum. Monatlich wächst die Sammlung um nahezu 1.000 Neuzugänge.

Die Systematik des Chorzentrums ist leicht erfaßbar: Die Gliederung sieht eine Ordnung nach Gattungen, nach geistlicher- und weltlicher Musik, selbstverständlich nach Stilepochen, a cappella oder mit instrumentaler Begleitung sowie thematisch vor. Der suchende Chorleiter hat die Möglichkeit die gesamte Partitur in Augenschein zu nehmen. Für denjenigen, der gerne an Ort und Stelle eine eigene musikalische Umsetzung vornehmen möchte, stehen Instrumente bereit. Wer hören will, wie die ausgewählte Musik von einem Chor gesungen klingt kann ohne große Umstände auf die umfangreiche Tonträgersammlung (meist CD‘s) des Hauses zurückgreifen.

Die Praxis der Chorarbeit bringt es mit sich, daß der Chorleiter mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Sei es die geringe Stimmenzahl des Chores, die Unterbesetzung mancher Stimmlagen (meist der männlichen), sei es die Tatsache, daß Literatur ihr einen Frauenchor gesucht wird. Rasche Abhilfe schafft hier die Datenbank des Centrums "Musica International". Spielend meistert das System zum Beispiel die Aufgabe, für den Dirigenten eines kleinen gemischten Chores, der über nur wenige Männerstimmen verfügt geeignete Literatur zur Osterzeit zu finden.  Innerhalb kürzester Frist hat der Computer eine große Zahl Werke für die Besetzung Sopran, Alt und Männerstimme aufgelistet. Natürlich kann man beispielsweise ein detailliertes Werkverzeichnis eines bestimmten Komponisten aufrufen. Selektionen sind möglich nach Komponisten, Tondichter (beides mit Lebensdaten), Stilepochen, dem inhaltlichen Schwerpunkt des Werkes, Tonart, Schwierigkeitsgrad, Textbeginn, ggf. Instrumentalbegleitung, erforderliche Solostimmen und nach dem Verlag.

Diese Art der Literaturauswahl gestattet eine exakt auf Leistungsfähigkeit und Belange des Chores abgestimmte Programmgestaltung. Sie hilft dem Chordirigenten auch, auf die Wünsche der Chormitglieder einzugehen und beispielsweise Gospels in das Repertoire der Singgemeinschaft aufzunehmen. Das Angebot an Chormusik wird transparent und damit überschaubar. Für den, der weiterführende Fachliteratur sucht steht zusätzlich eine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung.  Natürlich ist es aufwendig für einen Chorleiter, etwa aus Bayern, für die Auswahl geeigneter Werke eigens nach Limburg anzureisen. Der rege Zuspruch zeigt jedoch, daß das Angebot des Centrums gerne aufgenommen wird. Und die ca 750 Mitglieder des Chorleiter-Forums erfahren täglich, dass man dank moderner Technologie vieles auch von zu Hause nutzen kann, weil Bender stets als mit Rat und Tat zur Verfügung steht.

historie2Mancher Besucher sucht überdies den fachkundigen Rat von Manfred Bender, der »seine Schätze« natürlich bestens kennt und der - bisweilen schneller als der Computer geeignete Empfehlungen an die Chorleiter geben kann.  Der Name dieser wahrhaft nutzenstiftenden Institution »Deutsches Centrum für Chormusik« führt allerdings leicht in die Irre. Das Haus steht ausschließlich Chorleitern für deren Arbeit zur Verfügung. Es ist also keinesfalls der Öffentlichkeit generell zugänglich.

Damit bleibt es dem interessierten Laien leider verschlossen. Ein »Museum der Chormusik«, das man hier leicht vermuten könnte, wird man in Limburg vergeblich suchen.  Grundsätzlich steht das Haus jedem Mitglied der Trägergemeinschaft CHORLEITER-FORUM.DE  offen.  Betrachtet man den hohen praktischen Nutzen für den Chorleiter, verwundert es den beeindruckten Besucher um so mehr, daß das Centrum heute - immerhin 20 Jahre nach seiner Gründung - nach wie vor noch als eine Art »Geheimtip« unter Insidern gehandelt wird. Denn erstaunlicherweise ist die Existenz dieser einmaligen Institution vielen Chorleitern noch unbekannt Dabei ist sie - und das kann ohne jede Übertreibung gesagt werden - eine wahre Fundgrube, ein überaus verläßlicher Kompaß für den nur scheinbar undurchdringlichen Notendschungel.

Wie alles begann...und wo es hingehen soll.

Über 25 Jahre ist es her, dass der Chorleiter Manfred Bender seine ersten Noten archivierte, diese in seiner Privatwohnung in Selters im Taunus präsentierte und in eine aufregende Zeit als Bibliothekar startete. Zunächst mehr Leidenschaft als Beruf, entwickelte sich aus den Anfängen ein Unternehmen, das heute zu den bedeutenden Chormusikinstitutionen  gehört und mit rund 300.000 Chorwerken zur kulturellen Vielfalt Deutschlands beiträgt. Als sich jährlich mehr als 300 Chorleiter zur Recherche in der Privatwohnung Benders einfanden, hatte der Domkapellmeister der Limburger Domsingknaben, Klaus Knubben dei Idee, das Archiv mit Unterstützung der Stadt nach Limburg zu holen.

Der nächste logische Schritt wäre die Virtualisierung des Archis, damit Chormusiker aus aller Welt online Zugriff auf diesen einmaligen Schatz haben. Dazu müssen aber Investoren gefunden werden, die verstehen, welches Potential sich hinter einem solchen Projekt verbirgt, das die Chormusik der ganzen Welt in einem zentalen Verzeichnis vereinigt, auf welches jedermann online zugreifen kann.

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